On-Page-SEO Must-Haves: Was wirklich jede URL braucht

Die harte Kurzliste: Title, Description, H1/H2/P, PageSpeed, interne Verlinkung, Bild-SEO und Focus-Keyword mit Suchintention.

Redaktion

Es gibt rund um SEO unendlich viele Hebel, Tools und Schraubenzieher. Wenn man alle gleichzeitig drehen will, wird keine Seite fertig — und die Punkte, die wirklich rankings-entscheidend sind, gehen im Lärm unter. Dieser Artikel macht das Gegenteil: Er ist die harte Kurzliste, gegen die man jede einzelne URL prüfen kann, bevor sie live geht oder weiteroptimiert wird.

Alles, was hier steht, gilt unabhängig von Branche, CMS oder Größe der Site. Was darüber hinausgeht — Structured Data, hreflang-Mehrsprachigkeit, E-E-A-T-Signale, GEO-Optimierung — ist Kür und kommt im zweiten Schritt. Erst die Pflicht.

Die Logik dahinter: Pflicht vs. Kür

Der Hauptfehler bei On-Page-Audits ist, dass die Liste zu lang wird. Eine Seite hat 80 Punkte zu erfüllen, niemand schafft das, am Ende ist nichts wirklich gut.

Deshalb diese Trennung:

  • Pflicht = ohne diese Punkte rankt die Seite nicht zuverlässig, egal wie gut der Rest ist.
  • Kür = lohnt sich, aber erst, wenn die Pflicht steht und es im Markt einen Vorteil gibt.

Diese Liste ist die Pflicht — das, was jede URL einer ernstzunehmenden Website braucht. Wenn diese Punkte stehen, ist die Seite bereit, organisch Sichtbarkeit aufzubauen. Erst dann lohnt sich die Diskussion über Schema-Markup, FAQ-Boxen oder GEO-Formate.

Die Must-Haves im Überblick

  1. SEO-Title und Meta-Description
  2. H1 (genau eine pro Seite)
  3. H2-Struktur, die die Seite logisch aufteilt
  4. P-Tags für jeglichen Fließtext (kein gestyltes <div>)
  5. PageSpeed mit Mobile-Score über 50 (besser 70+)
  6. Interne Verlinkung auf die Seite (mit dem richtigen Linktext)
  7. Interne Verlinkung von der Seite zu thematisch passenden URLs
  8. Bilder mit korrekter Bild-SEO und kleiner KB-Größe
  9. Klares Focus-Keyword, das der Suchintention entspricht

Wenn diese neun Punkte sauber sitzen, hat die Seite alle Voraussetzungen, um zu ranken. Was sie dann tatsächlich erreicht, hängt vom Wettbewerb und der Domain-Stärke ab — aber das Fundament ist da.

1. SEO-Title und Meta-Description

Der Title ist das prominenteste Ranking- und Klick-Signal überhaupt. Er erscheint im Suchergebnis als Überschrift und ist das erste, was ein Mensch sieht — und das stärkste Signal, das der Google-Algorithmus für „worum geht es auf dieser Seite?” hat.

Was ein guter Title leistet:

  • Enthält das Focus-Keyword, möglichst weit vorne.
  • Bleibt unter ca. 60 Zeichen, sonst schneidet Google ab.
  • Ist klickwürdig, nicht nur korrekt. Der Title konkurriert in einer Liste von 10 Ergebnissen.
  • Ist eindeutig pro URL — keine zwei Seiten der Domain dürfen den gleichen Title haben.

Die Meta-Description ist kein direkter Ranking-Faktor, aber sie steuert die Click-Through-Rate. Eine Seite, die in Position 5 mit hoher CTR steht, klettert nach oben — eine in Position 3 mit schwacher CTR fällt. Description-Längen unter 160 Zeichen sind sicher; alles darüber wird in den meisten SERP-Ansichten geschnitten.

Wichtig: Google schreibt Title und Description gelegentlich um, wenn das eingegebene Stück nicht zur Suchanfrage passt. Das ist kein Drama, sondern Hinweis: Der eigene Vorschlag war für diese Anfrage zu generisch.

2. H1 — genau eine pro Seite

Die H1 ist die inhaltliche Hauptüberschrift der Seite. Sie ist nicht der Title — die beiden dürfen unterschiedlich sein und sollten oft auch unterschiedlich sein, weil der Title für die SERP optimiert wird und die H1 für den Leser auf der Seite.

Regeln:

  • Genau eine H1 pro URL. Mehrere H1s sind nicht „technisch verboten”, aber sie verwässern das Signal und sind ein Zeichen für unsaubere Templates.
  • H1 enthält das Focus-Keyword, idealerweise möglichst natürlich.
  • H1 steht ganz oben im sichtbaren Bereich, nicht versteckt unter einem Hero-Bild ohne Text.

In modernen Astro-/React-/Vue-Projekten ist die häufigste Fehlerquelle: Das Layout-Template setzt eine H1 (z. B. den Site-Namen im Header) und die Seite selbst setzt nochmal eine. Lieber im Header <p> oder <span> verwenden und die H1 der eigentlichen Seitenüberschrift vorbehalten.

3. H2-Struktur — die Seite logisch aufteilen

H2 ist die Gliederungsebene. Eine Seite ohne H2s ist eine Textwüste und wird sowohl von Lesern als auch von Suchmaschinen als „nicht gut strukturiert” eingestuft.

Was H2s leisten sollen:

  • Jeder größere Abschnitt bekommt eine H2. Wenn der Inhalt mehr als 200–300 Wörter ohne Zwischenüberschrift läuft, fehlt eine H2.
  • H2-Texte sollten beschreibend sein, nicht poetisch. „Was ist Smart Bidding?” ist besser als „Die Magie der Algorithmen”. Beschreibende Überschriften ranken in Featured Snippets, abstrakte nicht.
  • Reihenfolge ist semantisch: H1 → H2 → H3, nicht H2 → H4 → H1. Verschachtelte Heading-Hierarchien helfen sowohl Screenreadern als auch dem Crawler-Verständnis.

H2s sind außerdem die natürliche Anlaufstelle für Sekundär-Keywords. Hauptkeyword in H1 und Title, verwandte Begriffe in H2s.

4. P-Tags — kein gestyltes <div>

Das klingt trivial, ist es aber nicht. Viele moderne Frameworks und Page-Builder produzieren Layouts, in denen Texte in <div>-Containern stehen. Optisch sieht das gleich aus — semantisch ist es kein Absatz.

Suchmaschinen, Screenreader und Browser-Reader-Modes verlassen sich auf semantische Tags. Wenn die Seite den Eindruck macht, sie bestehe nur aus Boxen ohne Fließtext, geht das Signal „Diese URL hat ausführlichen, lesbaren Inhalt” verloren.

Die Regel ist einfach: Jeder gesprochene Absatz steht in einem <p>-Tag. Auszeichnungen wie <strong>, <em>, <a> und Listen (<ul>/<ol>) gehören dazu. Visuelles Styling kommt über CSS, nicht über Container-Magic.

Auch wichtig: Listen sind echte Listen, nicht aneinandergereihte Absätze mit Bullet-Symbolen. Wenn drei Punkte in einer Reihe stehen, gehört das in <ul> — Suchmaschinen erkennen Listen-Strukturen und nutzen sie für Rich Results.

5. PageSpeed — Mobile-Score über 50, besser 70+

Geschwindigkeit ist seit den Core-Web-Vitals-Updates ein hartes Ranking-Signal. Eine Seite kann inhaltlich perfekt sein und trotzdem nicht ranken, weil sie auf dem Smartphone in einer schwachen Mobilfunkverbindung 8 Sekunden zum Laden braucht.

Die Untergrenze: PageSpeed-Mobile-Score über 50. Realistisch sollte man 70+ anstreben, weil das die Schwelle ist, ab der Google die Seite klar als „funktioniert auf Mobile” einstuft.

Was die Geschwindigkeit am stärksten zerstört:

  • Riesige Hero-Bilder ohne Kompression. Ein 2 MB JPEG, das auf 1200 px breit ausgespielt wird, verbraucht alles, was vorher gewonnen wurde.
  • Render-blocking JavaScript. Frameworks, die im <head> synchron geladen werden, sperren die LCP-Metrik.
  • Dritt-Skripte ohne Lazy-Loading — Cookie-Banner, Chat-Widgets, Tracking-Pixel. Jedes davon kostet wertvolle Millisekunden.

Pflichtwerkzeug für die Prüfung ist PageSpeed Insights. Es liefert Mobile- und Desktop-Score und konkrete Optimierungs-Hinweise. Der Mobile-Score ist der wichtigere — Google indexiert seit Jahren mobile-first.

6. Interne Verlinkung auf die Seite

Eine perfekt optimierte Seite, auf die nichts intern verlinkt, ist ein Solitär — Google findet sie zwar (über die Sitemap), aber sie bekommt kein internes Link-Equity. Das führt fast immer dazu, dass die Seite trotz guter On-Page-Faktoren nicht rankt.

Die Faustregel: Jede wichtige URL bekommt mindestens 2–3 interne Verlinkungen von thematisch verwandten Seiten.

Worauf es bei den Linktexten ankommt:

  • Linktexte sind beschreibend, nicht generisch. „Hier klicken” oder „mehr erfahren” gibt Google null Information. „On-Page-SEO Must-Haves” oder „Keyword-Recherche für B2B” sind dagegen klare Signale.
  • Linktexte enthalten das Focus-Keyword, möglichst natürlich, ohne zu spammen.
  • Variation ist erwünscht. Wenn alle 30 internen Links auf eine Seite den exakt gleichen Linktext haben, sieht das künstlich aus. Drei bis fünf natürliche Varianten sind besser.

Wo internes Verlinken konkret stattfindet: aus passenden Blog-Artikeln, aus Glossar- und Lexikon-Einträgen, aus Pillar-Seiten, aus thematischen Übersichtsseiten. Nicht im Footer (zählt für Google praktisch nicht) und nicht in Mega-Menüs (gleicher Effekt).

7. Interne Verlinkung von der Seite weg

Spiegelbild des vorherigen Punktes: Die Seite sollte selbst auf 3–5 thematisch verwandte URLs verweisen, nicht in einer „weitere Artikel”-Box, sondern im Fließtext, dort wo es semantisch passt.

Das hilft drei Dingen gleichzeitig:

  1. Crawler verstehen den Themen-Kontext der Seite besser, wenn klar ist, womit sie verbunden ist.
  2. Nutzer bleiben länger auf der Site, wenn sie nahtlos zu vertiefenden Themen weiterklicken können.
  3. Link-Equity wird verteilt, nicht in einer Sackgasse gesammelt.

Wichtig: Nicht jede Seite verlinkt auf die Startseite oder die Service-Übersicht. Das ist Standard-Footer-Geschäft. Spannender sind die seitlichen Verlinkungen — auf Glossar-Begriffe, auf vertiefende Blog-Artikel, auf Case Studies.

8. Bild-SEO und KB-Größe

Bilder erfüllen zwei Rollen: Sie verbessern Lesbarkeit und sie sind eigene Ranking-Objekte (Google Images). Beides geht nur, wenn sie technisch sauber eingebunden sind.

Was jede Seite an Bild-SEO braucht:

  • alt-Text auf jedem inhaltsrelevanten Bild. Beschreibend, nicht keyword-stuffed. „Mann am Laptop arbeitet an SEO-Audit” ist gut. „SEO SEO SEO Optimierung” ist schlecht.
  • Dateinamen sind sprechend. martin-rau-keyword-recherche.webp schlägt IMG_4432.JPG.
  • Format: WebP oder AVIF, nicht mehr JPEG/PNG für Foto-Inhalte. Beide Formate sparen 30–50 % Größe gegenüber JPEG.
  • Kompression aggressiv. Eine moderne Hero-Image hat oft unter 100 KB, ein Inline-Bild unter 50 KB. Alles über 200 KB sollte hinterfragt werden.
  • Responsive <img srcset>. Mobile bekommt eine kleine Variante, Desktop eine größere — nicht eine Größe für alle.

Tools wie Squoosh (Google), cwebp/avifenc für Batch-Konvertierung oder Astro-Image / Next-Image für eingebaute Optimierung. In Astro-Projekten ist <Image /> aus astro:assets der Standard — der schreibt automatisch responsive Sources und konvertiert nach WebP.

9. Focus-Keyword + Suchintention

Das ist der Punkt, an dem die meisten Seiten scheitern — und der wichtigste in der ganzen Liste.

Eine Seite muss ein klares Focus-Keyword haben. Nicht zwei, nicht drei. Eines. Das Focus-Keyword ist die Frage oder der Begriff, für den die Seite ranken soll. Alles andere — semantisch verwandte Begriffe, Variationen, Long-Tails — folgt natürlich, wenn der Hauptbegriff sitzt.

Aber das Wichtigere ist: Das Focus-Keyword muss zur Suchintention passen.

Suchintention ist die Frage: Was will der Nutzer eigentlich, wenn er diesen Begriff googelt? Vier Hauptintentionen:

  • Informational — „Was ist Smart Bidding?” (will lernen)
  • Navigational — „Google Ads Login” (sucht eine bestimmte Seite)
  • Commercial — „beste SEO-Agentur Berlin” (vergleicht Anbieter)
  • Transactional — „SEO-Audit kaufen” (will jetzt kaufen)

Wer für ein commercial Keyword einen informationalen Artikel schreibt, rankt nicht — egal wie gut der Artikel ist. Google sieht in den Top-10 Anbieter-Listen und Vergleichsseiten und sortiert einen Erklär-Artikel aus, weil er nicht zur Intent-Klasse passt.

Praxis-Test vor dem Schreiben: Das eigene Focus-Keyword bei Google eingeben. Was steht in den Top 10? Sind es Erklär-Artikel? Produktseiten? Ratgeber? Vergleiche? Diese Form muss die eigene Seite haben — oder ein klar besseres Format aus derselben Intent-Klasse.

Was nicht in dieser Liste steht (und warum)

Bewusst nicht in der Pflicht-Liste:

  • Schema.org / Structured Data. Hilfreich, aber kein Ranking-Faktor im engeren Sinne. Lohnt sich für FAQ-Seiten, Produkt-Seiten, Rezepte und Events. Auf 80 % der Standard-Pages bringt es eher Rich-Result-Chancen als Ranking-Lift.
  • hreflang. Nur relevant, wenn die Seite mehrsprachig oder multi-regional ist.
  • AMP / Mobile-Specific URLs. Mehr und mehr abgehängt, Google selbst hat AMP entkernt.
  • Backlink-Aufbau. Off-Page, nicht On-Page — daher nicht hier.
  • GEO / Sichtbarkeit in KI-Antworten. Wichtiges Thema, aber Kür: Erst muss die On-Page-Pflicht stehen, dann lohnt sich der Schritt in Richtung Generative Engine Optimization.
  • E-E-A-T-Signale. Author-Boxen, Über-Mich-Seiten, Trust-Marker. Wichtig für YMYL-Themen (Medizin, Finanzen, Recht), in den meisten anderen Bereichen Kür.

Diese Punkte sind alle nicht falsch. Sie sind nur nicht das, was eine Seite zuerst haben muss.

Praktischer Workflow: die Pflicht-Checkliste pro URL

Wenn man diese neun Punkte als Audit-Checkliste verwendet, geht das Vorgehen am schnellsten so:

  1. URL öffnen, Title und Description prüfen (Browser-Tab + View-Source). Beides vorhanden, beides unter Limits, beides eindeutig?
  2. DOM inspizieren — eine H1, sinnvolle H2-Struktur, Texte in <p>-Tags?
  3. PageSpeed Insights laufen lassen. Mobile-Score notieren.
  4. Linktexte prüfen. Welche Seiten verlinken auf diese URL? Welche Linktexte werden verwendet? Verlinkt diese URL selbst sinnvoll weiter?
  5. Bilder durchgehen. alt-Text vorhanden? KB-Größe akzeptabel? WebP/AVIF im Einsatz?
  6. Focus-Keyword bestätigen. Was steht aktuell in den Google-Top-10 für dieses Keyword? Passt unsere Seite zur dort dominierenden Intent-Klasse?

Diese Prüfung dauert pro Seite 5–10 Minuten. Wenn sieben oder mehr Punkte stehen, ist die Seite SEO-bereit. Bei weniger lohnt sich Nachbesserung, bevor man mit weiteren Optimierungen anfängt.

Fazit

On-Page-SEO ist kein endloser Optimierungs-Friedhof. Es gibt eine harte Pflicht-Liste — und die ist genau hier abgearbeitet. Wer eine Seite gegen diese neun Punkte sauber durchchecked, hat das Fundament. Alles, was darauf aufbaut, ist Kür und kommt im richtigen Moment.

Der häufigste Fehler ist nicht, dass die Liste zu kurz ist. Der häufigste Fehler ist, dass von 100 möglichen Optimierungen 60 angefangen und keine zu Ende geführt wurden. Diese neun zuerst, vollständig, pro URL. Erst dann der Rest.