Microsoft Advertising als SEA-Alternative

Redaktion ·

Microsoft Advertising ist die Werbeplattform hinter der Bing-Suche — bis 2022 hieß sie Bing Ads. Wer im Suchmaschinen-Marketing nur an Google Ads denkt, lässt einen zweiten Kanal liegen, der mechanisch fast identisch funktioniert, aber ein anderes Publikum und oft günstigere Klickpreise mitbringt. Lohnt sich der Aufwand? Kommt drauf an, und genau das klären wir hier.

Was Microsoft Advertising ist

Microsoft Advertising schaltet Anzeigen in den Suchergebnissen des Microsoft-Suchnetzwerks. Das ist nicht nur Bing: Dazu gehören auch Yahoo, AOL, DuckDuckGo (teilweise) und die Standardsuche im Browser Microsoft Edge. Dazu kommen Platzierungen auf MSN, in Outlook und über Partner wie Ecosia. Du buchst also einen ganzen Verbund mit, nicht nur eine einzelne Suchmaschine.

Die Logik dahinter ist dieselbe wie bei Google Ads: Du bietest auf Keywords, zahlst pro Klick (CPC), strukturierst in Kampagnen und Anzeigengruppen, schreibst Textanzeigen und misst Conversions. Wer Google Ads bedienen kann, findet sich in Microsoft Advertising innerhalb von Minuten zurecht.

Das Netzwerk und seine Reichweite

Hier liegt der größte Unterschied: das Volumen. Stand 2026 hält Google global rund 90 Prozent Suchmaschinen-Marktanteil, Bing liegt bei etwa 4 bis 5 Prozent. In den USA ist Bing mit rund 10 Prozent stärker, und rechnet man Yahoo, AOL und DuckDuckGo dazu — die alle über das Bing-Netzwerk laufen — kommt der Verbund dort auf grob 30 bis 40 Prozent.

Diese Zahlen sind eine Momentaufnahme (Juni 2026) und schwanken je nach Quelle und Markt deutlich. Für Deutschland ist der Bing-Anteil tendenziell niedriger als in den USA. Die ehrliche Einordnung: Du erreichst mit Microsoft Advertising weniger Menschen als mit Google — aber die, die du erreichst, sieht die Konkurrenz oft gar nicht erst.

Unterschiede zu Google Ads

Drei Punkte machen den Kanal interessant:

Günstigere CPCs. Weil weniger Werbetreibende auf demselben Inventar bieten, sind die Klickpreise oft niedriger als bei Google. Pauschale Prozentangaben sind unseriös — das hängt stark von Branche und Keyword ab — aber das Muster ist stabil: weniger Wettbewerb, weniger Bietdruck.

Kaufkräftigeres Publikum. Das Bing-Publikum gilt tendenziell als älter und im Schnitt einkommensstärker. Microsoft selbst bewirbt das Netzwerk mit dem Hinweis auf „high-spend audiences”. Für manche Branchen (B2B, Finanzen, höherpreisige Produkte) ist das ein echter Vorteil.

LinkedIn-Targeting als Alleinstellung. Microsoft gehört LinkedIn — und nur Microsoft Advertising erlaubt es, Suchanzeigen nach LinkedIn-Profildaten auszusteuern: Jobtitel, Unternehmen, Branche. Das gibt es auf keiner anderen Such-Plattform. Für B2B-Kampagnen ist das oft der Hauptgrund, überhaupt einzusteigen.

Der Google-Ads-Import

Microsoft macht den Wechsel bewusst leicht: Über die Import-Funktion ziehst du bestehende Google-Ads-Kampagnen samt Anzeigengruppen, Keywords und Anzeigen direkt herüber — einmalig oder als wiederkehrende Synchronisation.

Aber Vorsicht vor dem Eins-zu-eins-Kopieren. Zwei Dinge wandern nicht mit: Das Conversion-Tracking muss neu aufgesetzt werden, denn Microsoft nutzt sein eigenes Universal Event Tracking (UET-Tag) statt des Google-Pixels. Und Zielgruppen — Remarketing-Listen, Customer Match, In-Market-Segmente — übertragen sich nicht, weil beide Plattformen getrennte Audience-Infrastrukturen fahren. Der Import ist ein Startpunkt, kein fertiges Setup.

Wann sich der Kanal lohnt

Microsoft Advertising ist in den meisten Fällen eine Ergänzung, selten der Hauptkanal. Es lohnt sich, wenn deine Google-Kampagnen sauber laufen und profitabel sind — dann holst du mit überschaubarem Mehraufwand zusätzliches, günstigeres Volumen ab. Besonders sinnvoll ist der Einstieg im B2B-Umfeld wegen des LinkedIn-Targetings und bei Zielgruppen, die zum kaufkräftigeren Bing-Publikum passen.

Weniger sinnvoll: als erster und einziger Kanal bei knappem Budget. Das Volumen reicht für viele Nischen nicht aus, um daraus allein verlässliche Daten zu ziehen.

FAQ

Ist Microsoft Advertising dasselbe wie Bing Ads? Ja. Bing Ads wurde 2022 in Microsoft Advertising umbenannt. Es ist dieselbe Plattform, nur mit erweitertem Netzwerk und neuem Namen.

Sind die Klickpreise bei Microsoft Advertising wirklich günstiger? Häufig ja, weil weniger Werbetreibende bieten. Wie groß der Unterschied ist, hängt aber stark von Branche und Keyword ab — pauschale Prozentwerte sind mit Vorsicht zu genießen.

Kann ich meine Google-Ads-Kampagnen einfach importieren? Ja, über die Import-Funktion. Beachte aber: Conversion-Tracking (UET-Tag) und Zielgruppen übertragen sich nicht und müssen neu eingerichtet werden.

Was ist das LinkedIn-Profil-Targeting? Eine Microsoft-Exklusivfunktion: Du kannst Suchanzeigen nach Jobtitel, Unternehmen und Branche aus LinkedIn-Daten aussteuern. Auf keiner anderen Such-Plattform verfügbar — ideal für B2B.

Lohnt sich Microsoft Advertising in Deutschland? Als Ergänzung zu Google oft ja, besonders im B2B. Als alleiniger Kanal ist das Suchvolumen in Deutschland meist zu gering für verlässliche Skalierung.