AI Overviews erscheinen in 48 % der SERPs — die organische CTR bricht um 61 % ein

Redaktion · · 5 Min. Lesezeit

Die Zahlen, die seit März 2026 öffentlich kursieren, sind hart: AI Overviews tauchen mittlerweile in 48 % aller getrackten Google-Suchanfragen auf. Die Klickrate auf organische Treffer unter einem AI Overview ist von 1,76 % auf 0,61 % gefallen — ein Einbruch um 61 %. Und Chartbeat-Daten zeigen, dass kleine Publisher über zwei Jahre bis zu 60 % ihres Suchtraffics verloren haben. Für jede Agency-Strategie, die noch auf „klassisches Ranken auf Position 1” setzt, ist das eine Zäsur.

Was vorher galt

Bis Anfang 2025 funktionierte SEO im Wesentlichen so: Wer auf Position 1 stand, holte sich grob 30 % der Klicks; Position 2 noch um die 15 %. Die Verteilung war stabil genug, dass Agenturen Traffic-Forecasts für ihre Mandanten halbwegs verlässlich aus Suchvolumen × CTR-Kurve rechnen konnten. AI Overviews waren ein Beta-Feature in den USA, nicht der dominante Modus.

In dieser Welt war das Ziel klar: Top-3-Rankings sichern, Featured Snippets gewinnen, technisches SEO sauber halten. Mehr Sichtbarkeit = mehr Klicks = mehr Traffic.

Was jetzt gilt

1. Sichtbar zu sein heißt nicht mehr, geklickt zu werden. Die Seer-Studie ist die zentrale Datenpunkt-Quelle: Auf Suchanfragen mit AI Overview ist die organische CTR um 61 % gefallen. Ein Top-3-Ranking, das vor einem Jahr 12 % Klickrate brachte, liefert heute auf einer AI-Overview-Anfrage rechnerisch ~4,7 %. Bei gleichem Suchvolumen entspricht das einem Traffic-Verlust von zwei Dritteln — ohne dass sich am Ranking selbst etwas geändert hat.

2. Die 48 % sind ein Mittelwert. Das echte Bild ist asymmetrisch. Informationale Queries („Was ist X?”, „Wie funktioniert Y?”) triggern AI Overviews am häufigsten und zeigen die größten CTR-Einbrüche. Transaktionale Queries („X kaufen”, „Preis Y”) sind deutlich weniger betroffen — Google will hier seine Ads-Inventory schützen. Wer zu 80 % auf Top-of-Funnel-Content optimiert hat, ist disproportional betroffen.

3. Der Schaden ist asymmetrisch verteilt. Die Chartbeat-Daten zeigen es klar: Kleine Sites verlieren am meisten (−60 %), große am wenigsten (−22 %). Grund: Google bevorzugt in AI Overviews etablierte Quellen mit hohem E-E-A-T-Profil. Agency-Mandanten in Nischen oder ohne starkes Brand-Signal trifft es härter als Publisher mit etablierter Autorität.

Einordnung

Es lohnt, die Zahlen vorsichtig zu lesen. Die 48 % stammen aus BrightEdge-Tracking und schwanken stark je nach Branche und Sprachraum — in Deutschland scheint die AI-Overview-Coverage eher bei 35–40 % zu liegen, mit deutlichem Wachstumstrend. Auch die Seer-CTR-Zahl basiert auf einer einzelnen Stichprobe; andere Studien (Pew, Ahrefs) zeigen Einbrüche zwischen 30 % und 60 %.

Die Richtung ist trotzdem unstrittig. Was vor zwei Jahren als „SGE-Experiment” abgetan wurde, ist heute Default-Modus für fast jede zweite Suche. Und es wird sich nicht zurückdrehen — Google hat im Q1-2026-Earnings-Call AI Overviews als „Wachstumsprodukt” bezeichnet.

Was viele Marketingverantwortliche unterschätzen: Der CTR-Verfall trifft auch SEA. Wenn Nutzer durch AI Overviews seltener auf der klassischen SERP scrollen, sehen sie auch weniger Anzeigen — Google fängt das mit AI-Mode-Ads (siehe News dazu) auf, aber die Verteilung verschiebt sich.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du Inhalte für informationale Queries produzierst: Stelle dich darauf ein, dass „SEO-Traffic” für reine Definitions- und How-To-Inhalte mittelfristig drastisch sinkt. Schreibe trotzdem weiter — aber als Investition in Citation-Sichtbarkeit in AI Overviews und AI Mode, nicht primär in Klicks. Klare strukturierte Antworten, prägnante Definitionen, sauberes Schema-Markup machen es wahrscheinlicher, dass Google den eigenen Text als Quelle zitiert.

Wenn du Conversion-orientierte Sites betreibst: Verschiebe Aufwand stärker Richtung Bottom-of-Funnel und transaktionale Keywords — dort sind AI Overviews seltener und CTRs stabiler. Brand-Suchen sind weiterhin weitgehend unbeschädigt.

Wenn du Agency-Mandanten betreust: Reporte ab sofort Impressionen + AI-Overview-Coverage zusätzlich zu Klicks. Die GSC-Coverage-Metrik bildet AI-Overview-Sichtbarkeit zwar nicht direkt ab, aber der Vergleich „Impressionen wachsen, Klicks fallen” ist heute der erste Indikator für AI-Overview-Druck. Mandanten, die das nicht früh kommunizieren, bekommen später unangenehme Quartalsgespräche.

Wenn du eine Agency-Positionierung bauen willst: GEO (Generative Engine Optimization) ist nicht mehr Zukunftsmusik. Wer jetzt belastbare Citation-Strategien anbietet, hat in 12 Monaten Vorsprung gegen Wettbewerber, die noch reines Keyword-SEO verkaufen.

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