Claude Code: die Funktionen, die jeder Anwender kennen sollte

Martin

Claude Code wirkt auf den ersten Blick wie eine schlanke CLI — und genau das ist Absicht. Unter der Oberfläche steckt aber ein ganzes Set an Funktionen, das den Unterschied macht zwischen „nettes Coding-Tool” und „echtes Arbeitsumfeld für tägliche Produktivität”. Dieser Artikel listet die wichtigsten Funktionen auf, die jeder Anwender mindestens kennen sollte, und ordnet sie ein.

Slash-Commands

Slash-Commands sind der schnellste Weg, Claude Code zu steuern. Sie laufen direkt in der Session, ohne dass ein Tool-Call generiert werden muss. Die wichtigsten:

  • /help — Übersicht über alle verfügbaren Commands und Tasten.
  • /permissions — zeigt die aktuelle Allowlist, ermöglicht das Hinzufügen oder Entfernen von Permissions.
  • /agents — Verwaltung der konfigurierten Sub-Agenten.
  • /init — initialisiert ein Projekt mit einer CLAUDE.md als Memory-Datei.
  • Custom Commands. Eigene Slash-Commands lassen sich als Markdown-Dateien in .claude/commands/ ablegen. So entsteht ein projekt-spezifischer Werkzeugkasten — z. B. /review für eine Code-Review-Vorlage oder /release für einen Deploy-Workflow.

Custom Commands sind oft der erste Punkt, an dem ein Team echte Hebel erkennt. Wiederkehrende Prompts müssen nicht mehr aus dem Gedächtnis abgerufen werden, sondern sind als ausführbarer Befehl im Repo.

Plan-Mode

Plan-Mode ist eine besondere Betriebsart, in der Claude keine Schreiboperationen ohne explizite Freigabe ausführt. Stattdessen erarbeitet das Modell einen Plan — eine geordnete Liste der Schritte, die es vorschlagen würde — und legt sie zur Diskussion vor.

Typische Einsatzfelder:

  • Vor einer größeren Migration: Erst den Plan sehen, dann freigeben.
  • Bei unklarem Auftrag: Im Plan-Mode klärt sich oft, ob das Modell die Aufgabe richtig verstanden hat.
  • In risikobehafteten Code-Bereichen (z. B. Auth, Datenbank-Schema): Plan-Mode ist die saubere Voreinstellung.

Der Wechsel passiert über die Tastenkombination Shift+Tab oder per Slash-Command. Wer noch nie im Plan-Mode gearbeitet hat, sollte ihn mindestens einmal bewusst ausprobieren — er verändert das Arbeitsverhältnis spürbar.

Hooks

Hooks sind eine der mächtigsten und am wenigsten genutzten Funktionen. Es handelt sich um Shell-Kommandos, die auf bestimmte Events in der Session reagieren. Konfiguriert werden sie in settings.json (global oder pro Projekt). Die wichtigsten Event-Typen:

  • PreToolUse — läuft, bevor ein Tool-Call ausgeführt wird. Kann den Call blockieren (z. B. „kein rm -rf in diesem Projekt”).
  • PostToolUse — läuft nach einem Tool-Call. Praktisch für Logging, automatische Linter-Läufe, Auto-Format.
  • Stop — läuft, wenn die Session beendet wird. Gut für Aufräum-Skripte oder Session-Summaries.
  • UserPromptSubmit — läuft, wenn der Anwender einen Prompt abschickt. Eignet sich für Pre-Validation oder Kontext-Injection.

Hooks sind der Punkt, an dem automatisierte Verhaltensregeln wirklich umgesetzt werden — nicht via „bitte denke daran”-Prompts, sondern via deterministischem Code.

Sub-Agenten

Sub-Agenten sind eigenständige Claude-Instanzen, die parallel zur Haupt-Session arbeiten — jeweils mit eigenem Kontext-Fenster und eigener Konfiguration. Vorteile:

  • Isolierter Kontext — der Sub-Agent verbraucht nicht den Token-Haushalt der Haupt-Session.
  • Spezialisierte Rollen — ein Agent für Code-Reviews, einer für Recherche, einer für Test-Generierung.
  • Parallele Verarbeitung — mehrere Tasks gleichzeitig.

Sub-Agenten werden über /agents verwaltet und sind besonders nützlich für längere Aufgaben, die im Hintergrund laufen können, während die Hauptarbeit weitergeht. Wer mit Sub-Agenten gut umgeht, kommt in die Nähe dessen, was wir im Pillar zu parallelem Arbeiten beschreiben.

MCP-Server

Über das Model Context Protocol lassen sich externe Tools, Datenbanken und APIs anbinden. Das ist die Funktion, die Claude Code von einem reinen Coding-Werkzeug zur Plattform für domänenspezifische Workflows macht.

Hier nur ein kurzer Verweis — der Begleitartikel zu Claude Code und MCP-Servern geht ausführlich auf die Integration und die Berechtigungs-Strategie ein.

Permission-Modes

Claude Code kennt vier Permission-Modes, die das Sicherheitsverhalten in der Session bestimmen:

  • Default-Mode — normale Arbeitsweise; Tool-Calls werden gegen die Allowlist und den Auto-Classifier geprüft.
  • Plan-Mode — keine Schreiboperationen ohne Freigabe (siehe oben).
  • Accept-Edits-Mode — Dateischreibzugriffe sind pauschal erlaubt; nützlich für lange Refactorings in vertrauten Code-Basen.
  • Bypass-Mode — alle Prüfungen aus. Nur in isolierten Umgebungen einsetzen, idealerweise in einer Sandbox oder einem Container.

Der Wechsel passiert via Shift+Tab. Welcher Mode wann passt, ist Erfahrungssache — die meisten arbeiten im Default, springen für sensible Aufgaben in Plan und für lange Refactorings in Accept-Edits.

Memory-System

Claude Code persistiert Wissen über Sessions hinweg in CLAUDE.md-Dateien. Die Hierarchie:

  • Projekt-CLAUDE.md im Repo-Root — gilt für alle, die im Projekt arbeiten, wird mit dem Repo versioniert.
  • Benutzer-CLAUDE.md im Home-Verzeichnis — persönliche Präferenzen, gilt projektübergreifend.
  • Auto-Memory — automatisch gesammelte Notizen, die über /memory verwaltet werden können.

Was hier steht, fließt in jede Session automatisch ein. Projektkonventionen, Wortwahl, verbotene Bereiche („nicht editieren”) gehören genau hierher — nicht in jeden einzelnen Prompt.

TodoWrite

Eine kleine, aber unterschätzte Funktion: Claude Code kann strukturierte Task-Listen führen. In längeren Sessions hilft das, den Überblick zu behalten — der Anwender sieht, was als Nächstes geplant ist, was gerade läuft und was bereits erledigt wurde.

In der Praxis ist TodoWrite besonders nützlich, wenn:

  • ein Auftrag in mehrere Schritte zerfällt, die sich gegenseitig bedingen,
  • mehrere Personen den Session-Verlauf nachvollziehen sollen,
  • ein Pull-Request später aus der Todo-Liste eine Commit-History ableiten kann.

Empfehlung: Welche Funktionen zuerst lernen?

Für den Einstieg in folgender Reihenfolge:

  1. Slash-Commands/help, /permissions, dann eigene Commands.
  2. Permission-Modes — bewusst zwischen Default und Plan wechseln, Auswirkungen spüren.
  3. CLAUDE.md — eine kleine, klare Memory-Datei anlegen und im Alltag pflegen.
  4. Hooks — sobald wiederkehrende Aktionen erkennbar sind (Auto-Format nach Edits, Commit-Lint-Checks).
  5. Sub-Agenten — wenn parallel gearbeitet wird oder lange Hintergrund-Tasks anfallen.
  6. Eigene MCP-Server — wenn die domänenspezifischen Workflows den nächsten Hebel brauchen.

Fazit

Die Stärke von Claude Code liegt nicht in einer einzelnen spektakulären Funktion, sondern im Zusammenspiel dieser Bausteine. Wer Slash-Commands, Plan-Mode und Memory souverän nutzt, hat die Basis. Wer Hooks, Sub-Agenten und MCP dazunimmt, gestaltet eine Arbeitsumgebung, die sich an das eigene Projekt anschmiegt — und nicht umgekehrt.

Das lohnt sich nicht an Tag eins, aber spätestens nach zwei Wochen täglicher Arbeit zahlt es sich aus. Genau dann beginnt der Punkt, an dem Claude Code aufhört, „ein KI-Tool” zu sein, und anfängt, Teil des eigenen Werkzeugkastens zu werden.